Als das Bauhaus 1926 seine neuen Gebäude in Dessau bezieht, gehören von Walter Gropius ausgewählte Midgard-Leuchten zur Ausstattung. Die TYP 113 kommt in den Werkstätten, Ateliers, Studentenwohnungen und Meisterhäusern zum Einsatz. Ihre präzise, maschinenhafte Ästhetik verkörpert die aufkommende Formensprache der Moderne.
Midgard und das Bauhaus
Von Anfang an widmet Fischer seine ganze kreative Aufmerksamkeit nicht nur der Leuchte als Ganzes, sondern auch jeder einzelnen ihrer Komponenten. In der Architektur und im Produktdesign bezieht die Avantgarde viele Impulse aus dem Drang, die herkömmliche Art der Dinge zu modernisieren. Als das Bauhaus 1926 seine neuen Gebäude in Dessau bezieht, gehören Midgard-Leuchten zur Ausstattung. Meister und Studenten gleichermaßen empfinden deren präzise, maschinenhafte Ästhetik als modern und motivierend. Der Kunsthistoriker Robin Rehm hat die Bauhaus-Gebäude und deren ursprüngliche Einrichtung analysiert. 1925 unternimmt das Bauhaus große Anstrengungen, um alles über Beleuchtung in Erfahrung zu bringen. Auf Anregung von Walter Gropius werden Exkursionen zum Osram-Lichthaus in Berlin und zur Firma Körting & Mathiesen, kurz Kandem, in Leipzig organisiert. Es ist nicht bekannt, wie der Kontakt zu Curt Fischer zustande kam, aber die Unterlagen belegen einen Briefwechsel zwischen Gropius und Fischer.
Historische Fotografie von Midgard TYP 113 Bauhaus-Arbeitsleuchten im Lesesaal der ADGB-Bundesschule in Dessau. Das Gebäude wurde von Hannes Meyer und Hans Wittwer am Bauhaus entworfen, wo für das gesamte Projekt Midgard-Leuchten spezifiziert wurden. Fotograf: Walter Peterhans, um 1930
Eine ideale Leselampe, in jede Richtung drehbar
Wie leben wir gesund und wirtschaftlich?
Eine Serie von Lehr- und Werbefilmen
der Humboldt Film GmbH aus dem Jahr 1926 in 4 Akten.
Das Bauhaus-Archiv Berlin erhielt die Filme
aus dem Nachlass von Walter Gropius.
Es handelt sich um Nitratfilme, die hier
in einer überarbeiteten, digitalisierten Form gezeigt werden.
Zwischen Midgard-Leuchten und Bauhaus-Projekten
Mehrere Exemplare der Midgard-Tischleuchte TYP 113 sind in Dessau im Einsatz. Historische Filmaufnahmen aus dem Meisterhaus von Gropius zeigen, wie einfach sie sich verstellen lässt. Nach 1928 wird die Leuchte auch im Haus von Josef Albers installiert. Die Midgard-Gelenkarm-Tischleuchte TYP 114/I findet Verwendung im Verwaltungsbüro neben dem Direktorenzimmer, im Architekturbüro sowie in den Studierendenateliers.

Marcel Breuer | Weißenhofsiedlung | Foto: Dr. Lossen & Co., 1927

Original Midgard TYP 113 Leuchte von 1927 | Foto: Midgard Licht Archiv
Marcel Breuer verwendete die Tischleuchte TYP 113 erstmals im Stadthaus von Mart Stam in der Weißenhof-Siedlung in Stuttgart. Wie viele Designer der Moderne war er begeistert von der Midgard-Leuchte, die er in vielen seiner Inneneinrichtungen einsetzte.

Als Marianne Brandt 1979 für eine Bauhaus-Ausgabe der DDR-Designzeitschrift form+zweck interviewt wird, sagt sie:
„Später beneideten wir die Erfinder des Midgard-Leuchtenarms – unsere Leuchte war zwar auch verstellbar, aber bei weitem nicht so elegant.“
Marianne Brandt (1893–1983), eine der herausragendsten und lange Zeit unterschätzten Gestalterinnen der Schule, studierte am Bauhaus und leitete zeitweise die Metallwerkstatt. Im obigen Zitat bezieht sie sich auf die Lampen, die sie gemeinsam mit Hin Bredendieck (1904–1995) für Kandem entwarf.
Foto: Henry Holmes Smith © Christopher Smith, Bauhaus-Archiv, Berlin
Als die Moderne in den 1930er Jahren in Deutschland zum Erliegen kam, gingen viele europäische Designer und Künstler nach Amerika. Einige von ihnen nahmen ihre Lieblingsleuchten mit. László Moholy-Nagy installierte 1938 seine Midgard TYP 113 in seinem Direktionsbüro am neuen Bauhaus in Chicago.












